kunstpreis blauorange 2022

COBURG, 21.11.2022. Im Rahmen der Eröffnung der Jahresausstellung im Kunstverein Coburg wurde der "kunstpreis blauorange" in diesem Jahr endlich wieder unter "normalen Bedingungen" verliehen.

Die Preisträger*innen des "kunstpreis blauorange" 2022 mit ihren Werken (von links) Marion Albrecht, Constantin Gradianu und Vera Schnitzer

Die Preisträgerinnen und Preisträger 2022 sind

Marion Albrecht, Erlangen, für ihr Diptychon „Der Sommer mit dir“

Tut gut! – der Sommer mit dir. Diffuse Erinnerungen, weich, warm, weit! Da gibt es – entfernt – kantiges: Ein Segelschiff? Da gibt es Sandfarbenes: Strand? Einen Sonnenhut? Wird der Sommer durch Rückspiegel betrachtet?

Das alles ist eine einzige Aufforderung an uns Betrachter, unsere Gedanken wandern und Träume schweifen zu lassen! Über allem liegt eine sanfte Stimmung, die die vereinzelt auftauchenden dunklen Elemente mit schmerzendem Lächeln neutralisiert.

Und das ist die Stärke dieses sanften Riesen: Behutsamkeit vermitteln und das Schicksal zulassen.

Constantin Gradianu, Coburg, für seine Acrylgemälde „Der Experte“ ,„Restaurator“ und „Klimts Traum“

Die z. Zt. recht beliebte Technik der „fluid colors“, bei der unter Zuhilfenahme von Spiritus fließende Effekte in Acrylbildern erzeugt werden, nimmt der Künstler zum Anlass, über berühmte Künstler und deren Kunstwerke nachzudenken. Als Experten dafür sucht er sich ausgerechnet Mr. Bean aus. Dieses „Was wäre, wenn“ erzeugt auf den ersten Blick groteske, „lustige“ und entstellend wirkende Ergebnisse, ganz im Sinne Mr. Beans, andererseits aber faszinierende Ergebnisse, wenn sie von der Hand eines erfahrenen Künstlers ausgeführt werden. Gradianu beweist uns, dass der Umgang mit der Malerei dann stets zu besonderen Ergebnissen führt, wenn, ja wenn eine ausgebildete Künstlerpersönlichkeit eine konkrete Bildidee mit geschulter Pinselführung formt.

Vera Schnitzer, Coburg, für ihre Werke aus Gaze, Gitter und Farbe „Vlies fließt“ und „pantha rhei“

Das Fließende ohne anschauliche Hilfsmittel des anekdotischen Abbildens wie Wasserhahn, Wasserfall oder rauschende Brandung darzustellen, schafft die Künstlerin am Höhepunkt ihrer langen Laufbahn, indem sie radikal dem Bildinhalt den Bildgrund entzieht und uns Betrachtern damit den Boden unter den Füßen wegreißt.

Wir spüren schwankend die kaum greifbare Materie des Fließenden, des Dahinfließenden wie des Zerfließenden, ganz im Sinne des griechischen Philosophen Heraklit. „Pantha rhei“ – Alles fließt meint nach Platon „Alles fließt und nichts bleibt, es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln.“ Oder um mit Reinhard Fendrich zu sprechen „Nix is fix“.

Die Preisträger*innen mit dem Vorsitzenden des Kunstvereins Coburg, Joachim Goslar und Vorstandsvorsitzendem Norbert Schug (von rechts)